Geschichte

Der VDSt zu Erlangen gehört zu den ältesten Bünden im VVDSt. Er wurde von Friedrich Naumann, damals stud. theol. in Erlangen, und vierzehn anderen Studenten am 24. November 1881 gegründet. Am 6. August 1882 wurde der Bund in den Kyffhäuserverband aufgenommen.

Gründungsjahre

Naumann
Friedrich Naumann

Zu Beginn entwickelte sich der Bund bis zur Jahrhundertwende prächtig und spielte in der Studentenschaft eine bedeutende Rolle. Bereits im Sommersemester 1886 zählte der VDSt zu Erlangen neunundzwanzig Aktive. Im selben Jahr übernahm der Bund im Studentenausschuss den Vorsitz, womit zum ersten Mal ein nicht-farbentragender Student dieses Amt innehatte. Besonders mit zahlreichen Vorträgen machte sich der VDSt zu Erlangen schnell einen Namen in der Stadt. Die Vorträge wurden zum Teil von ganzen Korporationen besucht. Der Bund richtete zudem in einem gemieteten Zimmer eine “Lesehalle” ein, die gegen eine Semestergebühr von einer Mark auch Nichtmitgliedern offenstand. In ihr lagen schließlich bis zu vierundsechzig Zeitungen und Zeitschriften aus.
Die ersten Veranstaltungen, so etwa der Reichsgründungskommers am 18. Januar 1882, auf dem Friedrich Naumann über die kaiserliche Botschaft vom 17. November 1881 referierte, wurden polizeilich überwacht. So heißt es in einem Polizeibericht aus dem Jahr 1882 über den VDSt zu Erlangen: “Es ist zu ersehen, dass der Verein Deutscher Studenten bereits in das Gebiet der politischen Vereine hinübergreift. Dessen strenge Überwachung wird daher angeordnet.”
Am 12. Dezember 1886 konnte der Verein eine prachtvolle seidene Fahne weihen, die ihm von Rudolf Herzog, den Bismarck den “königlichen Kaufmann” nannte, gestiftet worden war. Ende der 1890er Jahre entwickelte sich der Bund schließlich immer mehr zur Korporation. Beim Stiftungsfest im Sommersemester 1896 wurde der AH-Bund gegründet und im darauffolgenden Semester Vollwichs angeschafft.

Zeit bis 1945

Im Sommersemester 1898 erreichte der Bund mit einundvierzig Bundesbrüdern seine bis dahin höchste Mitgliederzahl. Es machte sich aber besonders nachteilig bemerkbar, dass der Bund kein eigenes Heim hatte, sondern sich alle paar Semester eine neue Unterkunft in irgendeiner Kneipe suchen musste. Dazu kam seit dem Sommersemester 1900 der Streit um Friedrich Naumann. Der Erlanger Bund bedauerte ausdrücklich in seinem Schreiben an Friedrich Naumann und im “Bericht des Alte-Herren-Bundes des VDSt zu Erlangen über das Jahr 1905/06″ seinen Austritt.

Im Sommersemester 1910 konnte auf dem Stiftungsfest endlich ein Heimverein gegründet werden, dem es gelang eine Wohnung auf zehn Jahre zu mieten. Am 1. August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus und das Bundesleben kam zum erliegen.

Nach dem Ersten Weltkrieg entstand schon kurz nach Kriegsende neues “Leben aus den Ruinen”. Bereits 1921 waren im aktiven Bund wieder einunddreißig Studenten Mitglied. Es folgte eine rege Beteiligung bei Veranstaltungen in Hochschule und Politik. 1930 wurde ein Haus in der Loewenichstraße erworben. Prof. Dr. Ewald Geißler (Ehrenmitglied des VDSt zu Erlangen) widmete 1932 dem VDSt zu Erlangen die Erlanger Hymne “Hoch Erlangen” (zur Melodie: “Wohlauf die Luft geht frisch und rein”). Mit der Auflösung des Verbandes 1938 wurde auch der Erlanger Bund aufgelöst. Das Haus in der Loewenichstraße musste verkauft werden, um die bestehenden finanziellen Verbindlichkeiten abzudecken.

Zeit nach 1945

Im Jahr 1950 wurde der Erlanger Bund wiederbelebt. Einunddreißig Bundesbrüder trafen sich am 17. Dezember 1950, um den Thomastag, eine der wichtigsten Veranstaltungen bei den Erlanger und Nürnberger Korporationen, festlich zu begehen.
Die Alten Herren gründeten 1954 ein zweites Mal einen Heimverein. 1956 wurde ein eigenes Haus in der Stadtmitte erworben, in dem heute dreizehn Bundesbrüder wohnen können. Am begehrtesten waren seit jeher die “Etablissements” in der zweiten Etage. Um den Drang in die bevorzugte Etage – der sog. “ff-Etage” – zu dämpfen, wurde der Weg nach oben beschwerlicher gemacht. Wer künftig die Treppe vom ersten in den zweiten Stock “hinauffallen” wollte, musste zuvor seine Qualifikation unter Beweis stellen. Der “Treppenschein” war geboren. Um diesen zu erlangen, muss der Kanditat die halbe Treppe pro Stufe, selbige hat achtzehn davon, ein Glas Glühwein bis auf den Grund leeren, während ihm hilfsbereite Bundesbrüder von oben unter analogen Bedingungen entgegenkommen. In der Mitte findet dann die feierliche Scheinübergabe statt.

1962 erreicht der aktive Bund seine höchste Mitgliederzahl nach dem Zweiten Weltkrieg überhaupt und zwar mit dreiundfünfzig Aktiven. Seit 1970 erscheint halbjährlich die Bundeszeitung “Unser Bund” (vormals u.a.: “Erlanger VDSter Nachrichten”). Der Erlanger Bund behauptet heute einen guten Platz im Kreis der Erlanger Korporationen und teilt mit ihnen das redliche Bemühen in ziel- und zukunftsorientierten Wirken gegen den Trend einer Massenhochschule anzusteuern.

Haus